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	<title>Karlsruhe &#8211; Buch &amp; Museum</title>
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		<title>„Ich hab´ so gern die grüne Au statt Akten im Gesicht.“ Der badische Jurist Max Heinsheimer  (1832–1892)</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2025 01:14:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Rhein bei Karlsruhe erinnert unweit des 1853 errichteten Tulla-Denkmals ein schlichter, etwas verwitterter Gedenkstein an den Tod des badischen Juristen Max Heinsheimer. Auf dem vorderseitigen, geglätteten Innenfeld sind seine Namensinitialen mit Sterbedatum eingraviert. Heinsheimer entstammte einer jüdischen Familie aus ... <a title="„Ich hab´ so gern die grüne Au statt Akten im Gesicht.“ Der badische Jurist Max Heinsheimer  (1832–1892)" class="read-more" href="https://buch-und-museum.de/blog/ich-hab-so-gern-die-gruene-au-statt-akten-im-gesicht-der-badische-jurist-max-heinsheimer-1832-1892/" aria-label="Mehr Informationen über „Ich hab´ so gern die grüne Au statt Akten im Gesicht.“ Der badische Jurist Max Heinsheimer  (1832–1892)">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1334" aria-describedby="caption-attachment-1334" style="width: 346px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-1334 " src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-225x300.jpg" alt="Gedenkstein für Max Heinsheimer am Rhein bei Karlsruhe, Foto: Carola Hoécker" width="356" height="474" data-wp-editing="1" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-225x300.jpg 225w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-768x1024.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-113x150.jpg 113w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-1152x1536.jpg 1152w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein-1536x2048.jpg 1536w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer_Gedenkstein_KA_Rhein.jpg 1920w" sizes="(max-width: 356px) 100vw, 356px" /><figcaption id="caption-attachment-1334" class="wp-caption-text">Gedenkstein für Max Heinsheimer am Rhein bei Karlsruhe, Foto: Carola Hoécker</figcaption></figure>
<p>Am Rhein bei Karlsruhe erinnert unweit des 1853 errichteten Tulla-Denkmals ein schlichter, etwas verwitterter Gedenkstein an den Tod des badischen Juristen Max Heinsheimer. Auf dem vorderseitigen, geglätteten Innenfeld sind seine Namensinitialen mit Sterbedatum eingraviert.</p>
<p>Heinsheimer entstammte einer jüdischen Familie aus Bretten. Zwei seiner jüngeren Geschwister wanderten in den 1850er-Jahren in die USA aus, wo Juden als gleichberechtigte Staatsbürger bessere Arbeitsbedingungen hatten. Max blieb in Deutschland und hatte Glück: Nach dem Jurastudium an der Universität Heidelberg absolvierte er sein Referendariat in Freiburg im Breisgau. Die 1862 im Großherzogtum Baden gesetzlich festgelegte Gleichberechtigung der Juden erlaubte ihm den Weg in den Staatsdienst, was seinem Vater als Jurist noch verwehrt gewesen war. Enthusiastisch feierte Max Heinsheimer in einer Rede vor der jüdischen Gemeinde in Freiburg 1863 diese Gleichstellung zusammen mit dem 50-jährigen Jubiliäum der Völkerschlacht bei Leipzig.</p>
<p>Im Folgejahr arbeite Heinsheimer als Sekretär am Freiburger Hofgericht und bis 1868 in Lörrach als Kreisgerichtsassessor. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 war er zunächst als Kreisgerichtsrat in Mannheim tätig, wo er sich als Nationalliberaler für die Lokalpolitik engagierte. 1879 wechselte er nach Karlsruhe ans Oberlandesgericht. Als Herausgeber der Zeitschrift für Französisches Zivilrecht veröffentlichte er Aufsätze zum badischen, französischen und englischen Recht. Er wirkte auch bei den Vorarbeiten zum Bürgerlichen Gesetzbuch mit. Sein ältester Sohn, der Jurist Karl Heinsheimer (1869–1929), sollte später als Universitätsprofessor in Heidelberg das Seminar für internationales Wirtschaftsrecht gründen.</p>
<figure id="attachment_1333" aria-describedby="caption-attachment-1333" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-1333" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet-200x300.jpg" alt="" width="320" height="480" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet-200x300.jpg 200w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet-684x1024.jpg 684w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet-100x150.jpg 100w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet-768x1151.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Heinsheimer-Max-Portraet.jpg 797w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /><figcaption id="caption-attachment-1333" class="wp-caption-text">Max Heinsheimer 1868, Dreiländermuseum Lörrach, Repro: Carola Hoécker</figcaption></figure>
<p>Vor einigen Jahren stieß ich In einem Privatnachlass in Freiburg auf einen Briefumschlag mit einem Foto und Abschiedsgedicht Heinsheimers vom 20. August 1868 an Johanna Pflüger (geb. Müller). Zusammen mit ihrem Ehemann Marcus Pflüger führte sie in Lörrach das Gasthaus zum Hirschen, wo Heinsheimer Tischabonnent war. In höchsten Tönen lobt er die Gastfreundschaft des „Mütterlein“ und ihren Oberländer Wein. Auch schreibt er: „Ich hab so gern die grüne Au / statt Akten im Gesicht“. Die grüne Au ist womöglich eine Anspielung auf Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte / mir wird nichts mangeln. / Er weidet mich auf einer grünen Aue / und führet mich zum frischen Wasser“).<br />
Vielleicht dachte der Oberlandesgerichtsrat Max Heinsheimer an diesen Psalm, als er unter Depressionen leidend im Rhein bei Maxau (Karlsruhe) den Tod suchte. Seit dem 4. Januar 1892 galt er als vermisst, einen Teil seiner Kleidung hatte er in der Nähe des heutigen Gedenksteins liegen lassen. Am 17. Februar gab sein Sohn Karl eine Suchanzeige in den Zeitungen auf (u.a. im Generalanzeiger der Stadt Mannheim) mit einer Beschreibung seines Vaters. Am 24. Juni bot er 400 Mark als Belohnung für dessen Auffinden an.  Doch erst nach zweieinhalb Jahren, am 30. Juli 1894, wurde die Leiche seines Vaters im Rhein bei Leopoldshafen gefunden, wie der Generalanzeiger am darauffolgenden Tag meldete. In den Badischen Biografien blieb sein Freitod unerwähnt, auch die spätere Literatur verschweigt ihn. Im Unterschied zum Tulla-Denkmal gibt es für den Gedenkstein bis heute vor Ort keine Erläuterungstafeln oder andere Hinweise.</p>
<p>Vgl. zu Quellen und Literatur: Carola Hoécker, Vom Freischärler zum Parlamentarier, Karlsruhe, Bretten 2019, S. 47f.</p>
<p>© Carola Hoécker, 20.07.2025</p>
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		<title>Akteur*innen auf einem Revolutionsbild von 1848: Marcus Pflüger, Hirschenwirt und Wahlmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carola Hoécker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2024 11:06:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Auf dem Gemälde „Einzug der Freischaren unter Weißhaar“ von 1848, das in der Ausstellung des Dreiländermuseums zu sehen ist, hat der Maler Friedrich Kaiser hinter den versammelten Gemeinderäten den Hirschenwirt und Posthalter Marcus Pflüger (1824–1907) im Profil porträtiert. Pflüger war ... <a title="Akteur*innen auf einem Revolutionsbild von 1848: Marcus Pflüger, Hirschenwirt und Wahlmann" class="read-more" href="https://buch-und-museum.de/aktuelles/200-jahre-marcus-pflueger-er-ist-eine-der-bedeutendsten-persoenlichkeiten-der-loerracher-geschichte/" aria-label="Mehr Informationen über Akteur*innen auf einem Revolutionsbild von 1848: Marcus Pflüger, Hirschenwirt und Wahlmann">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1154" aria-describedby="caption-attachment-1154" style="width: 355px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="wp-image-1154" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand-300x286.jpg" alt="Der Gemeinderat und Wahlmann Marcus Pflüger am 20. April 1848 in Lörrach, ganz rechts mit Zylinder, Frack und weißer Weste, Gemäldeausschnitt, Dreiländermuseum Lörrach, Foto: C. Hoécker" width="365" height="348" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand-300x286.jpg 300w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand-1024x975.jpg 1024w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand-150x143.jpg 150w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand-768x731.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-1_Ausschnitt_Revolutionsgemaelde_Pflueger_rechter-Bildrand.jpg 1352w" sizes="(max-width: 365px) 100vw, 365px" /><figcaption id="caption-attachment-1154" class="wp-caption-text">Der Gemeinderat und Wahlmann Marcus Pflüger am 20. April 1848,, ganz rechts mit Zylinder und weißer Weste, Gemäldeausschnitt, DLM Lörrach, Foto: C. Hoécker</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;">Auf dem Gemälde „Einzug der Freischaren unter Weißhaar“ von 1848, das in der Ausstellung des Dreiländermuseums zu sehen ist, hat der Maler Friedrich Kaiser hinter den versammelten Gemeinderäten den Hirschenwirt und Posthalter Marcus Pflüger (1824–1907) im Profil porträtiert.</p>
<p style="text-align: left;">Pflüger war Mitgründer der Lörracher Bürgerwehr. Jedoch trägt er nicht deren Uniform, wie die vor ihm stehenden Gemeinderäte, sondern einen eleganten Frack mit weißem Hemd, Weste und Zylinder. In seiner rechten Hand hält er eine Reitgerte, in der linken eine Zigarre. Streng blickt er zu Joseph Weißhaar auf, der auf seinem Pferd mit gezücktem Säbel die Lörracher beschimpft, weil sie sich den Freischärlern nicht anschließen wollen. Wenige Tage zuvor hatte die Bürgerversammlung Pflüger zusammen mit Friedrich Müller, Gastwirt aus Grenzach, als Gesandte nach Karlsruhe geschickt. Dort rieten ihnen die Abgeordneten des badischen Parlaments davon ab, sich am Heckerzug zu beteiligen.</p>
<figure id="attachment_1155" aria-describedby="caption-attachment-1155" style="width: 259px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-1155" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-300x225.jpg" alt="" width="269" height="202" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-300x225.jpg 300w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-1024x768.jpg 1024w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-150x113.jpg 150w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-768x576.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-1536x1152.jpg 1536w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-2.-BuchPraemiePflueger_Paedagogium_1837-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 269px) 100vw, 269px" /><figcaption id="caption-attachment-1155" class="wp-caption-text">Buchpreis des Pädagogium, Eintrag rechts, 1837, Hermann-Pflüger-Stiftung Freiburg, Foto: C. Hoécker</figcaption></figure>
<p>Marcus Pflüger wurde vor 200 Jahren, am 8. Mai 1824, in der Turmstraße 1 geboren. Seinen Eltern gehörte dort das Gasthaus zum Hirschen, das sie ausbauten und über die Grenze hinaus bekannt machten. Pflüger besuchte das Pädagogium in Lörrach, wo er als fleißiger, exzellenter Schüler zum Examen 1837 einen Preis bekam. Auf einem Internat in Lausanne erwarb er kaufmännische Kenntnisse, anschließend absolvierte er in renommierten Hotels im In- und Ausland seine Lehrzeit. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm er 1846 mit seiner Mutter Elisabeth das große Gasthaus mit Posthalterei, Landwirtschaft und Weinbergen.</p>
<figure id="attachment_1156" aria-describedby="caption-attachment-1156" style="width: 189px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1156" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-250x300.jpg" alt="" width="199" height="239" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-250x300.jpg 250w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-854x1024.jpg 854w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-125x150.jpg 125w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-768x921.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-1281x1536.jpg 1281w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-3-das-Muetterli-Elisabeth-Liseli-Pflueger-geb.-Senn-1708x2048.jpg 1708w" sizes="(max-width: 199px) 100vw, 199px" /><figcaption id="caption-attachment-1156" class="wp-caption-text">Die Mutter Elisabeth Pflüger, um 1845, Ölgemälde von Johann Friedrich Grether, Hermann-Pflüger-Stiftung Freiburg, Foto: C. Hoécker</figcaption></figure>
<p>Beeinflusst von den politischen Umbrüchen in der Schweiz engagierte sich der umtriebige Pflüger für freiheitliche Ideen. Dem ersten Badischen Aufstand unter Hecker im April 1848 stand er als Wahlmann zunächst ablehnend gegenüber. Er erhoffte ein vereintes, parlamentarisches Deutschland auf legalem Weg. Enttäuscht von den Ergebnissen der Frankfurter Nationalversammlung änderte er jedoch seine Ansicht. Beim zweiten Badischen Aufstand unter Struve beteiligte er sich als Hauptmann der Lörracher Bürgerwehr. Im September 1848 kämpfte er mit seiner Mannschaft gegen die weit überlegenen Regierungstruppen. Im letzten Moment konnte er sich auf seinem Postschimmel vor deren Kugeln retten und floh mit anderen Freischärlern in die Schweiz.</p>
<figure id="attachment_1158" aria-describedby="caption-attachment-1158" style="width: 175px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1158 size-medium" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868-185x300.jpg" alt="Marcus Pflüger, um 1860, DLM Lörrach, Repro: C. Hoécker" width="185" height="300" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868-185x300.jpg 185w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868-633x1024.jpg 633w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868-93x150.jpg 93w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868-768x1242.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-5-Marcus-Pflueger-in-einem-Fotoalbum-1868.jpg 926w" sizes="(max-width: 185px) 100vw, 185px" /><figcaption id="caption-attachment-1158" class="wp-caption-text">Marcus Pflüger, um 1860, DLM Lörrach, Repro: C. Hoécker</figcaption></figure>
<p>Nach der Revolution heiratete Pflüger Johanna, die Schwester seines Freundes Friedrich Müller. In Abwesenheit wurde dieser wegen seiner revolutionären Umtriebe zu zwei Jahren Haft verurteilt. Marcus unterstützte Friedrich im Exil und reiste mehrmals in die Schweiz. Ein preußischer Generalleutnant, der sich mit der Pflüger-Familie in Lörrach angefreundet hatte, warnte ihn in einem Brief an seine Mutter „vor allen geheimen und offenen politischen Verbindungen“, da er beobachtet würde und unter Verdacht stünde mit seinem Schwager in der Schweiz „in dieser Beziehung sehr thätig und wirksam zu seyn“. Pflüger nahm den Rat zu Herzen und wurde erst ab 1858, nach der Geburt seines jüngsten Sohnes Emil, wieder politisch aktiv. Bald war er in allen wichtigen städtischen Gremien vertreten, gründete 1860 die grenzüberschreitend arbeitende Wiesental-Eisenbahngesellschaft AG, die erste Kreishypothekenbank in Baden und eine Kreispflegeanstalt, die später nach ihm benannt wurde.<br />
Die Lörracher Kreishypothekenbank war Vorreiter der Rheinischen Hypothekenbank in Mannheim, in der Pflüger viele Jahre lang Mitglied des Aufsichtsrats war. Dort waren bedeutende Unternehmer wie Friedrich Engelhorn und Carl Reiss vertreten. Für sein vielfältiges Engagement und seine Verdienste zeichnete der Großherzog Marcus Pflüger mit dem badischen Ritterkreuz erster Klasse aus. Damit war er der erste Ex-Revolutionär, der in Baden diese so hohe Auszeichnung erhielt.</p>
<figure id="attachment_1160" aria-describedby="caption-attachment-1160" style="width: 403px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1160" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-300x207.jpg" alt="Begräbniszug Marcus Pflügers durch die Basler Straße im September 1907, begleitet von der Freiwilligen Feuerwehr, die er gründete und deren erster Kommandant er bis 1871 war, Stadtarchiv Lörrach " width="413" height="285" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-300x207.jpg 300w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-1024x707.jpg 1024w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-150x104.jpg 150w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-768x530.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-1536x1061.jpg 1536w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Abb.-7-Beerdigungszug-Pfluegers-Sept.-1907-2048x1414.jpg 2048w" sizes="(max-width: 413px) 100vw, 413px" /><figcaption id="caption-attachment-1160" class="wp-caption-text">Begräbniszug Marcus Pflügers in der Basler Straße im September 1907, im Hintergund links das alte Amtshaus, Stadtarchiv Lörrach</figcaption></figure>
<p>Als erster Lörracher wurde Pflüger 1874 in den Reichstag gewählt, zunächst für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim und ab 1890, nach einem Rechtsruck in Lörrach, für Karlsruhe-Bruchsal. Zugleich war er fast 30 Jahre lang Abgeordneter im badischen Landtag in Karlsruhe. Fast alle seiner politischen Ämter führte er ehrenamtlich aus. Seine politische Karriere wäre jedoch ohne die Unterstützung seiner Mutter Elisabeth und seiner Ehefrau Johanna nicht möglich gewesen.<br />
Der vielseitige Pflüger war ein Mann der Zahlen. Im Reichstag wurde er, wie schon im badischen Parlament, in die Budgetkommission gewählt, eine Aufgabe, die ihm auf den Leib geschnitten war. Rasch freundete sich der gesellige Pflüger mit seinen überwiegend norddeutschen, preußischen Parteikollegen und Sprechern der Linksliberalen an. Die größten Gefahren für die Demokratie sah Pflüger in der Bismarckverehrung, Sozialistenverfolgung, Militarisierung, Kolonialisierung und den Antisemiten. In einer Wahlrede in Karlsruhe bezeichnete er die Antisemiten als „Schandfleck des 19. Jahrhunderts“.</p>
<p>1898 erinnerte er in einer großen Jubiläumsfeier in seinem Gasthaus in Lörrach an die Revolution. Dabei stellte er auch das Revolutionsgemälde des Malers Friedrich Kaiser aus, das er von dessen Erben erworben hatte. Sein Leben lang war Pflüger überzeugt, dass die Revolution trotz ihres Scheiterns ein erster wichtiger Schritt zur Demokratisierung Deutschlands war.</p>
<p>Text: Carola Hoécker</p>
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		<title>Marcus Pflüger &#8211; Vom Freischärler zum Parlamentarier: Buchvorstellung am 16. Juni 2023 im Markgräfler Museum Müllheim, 18.00 Uhr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carola Hoécker]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Apr 2023 23:44:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&#160; &#8222;Hier wird, gegenüber dem Landtage in Carlsruhe, mit Dampf gearbeitet&#8220;, schrieb 1881 aus Berlin der Reichstagsabgeordnete Marcus Pflüger seiner Ehefrau Johanna. Der linksliberale Gastwirt vertrat als erster Lörracher den Wahlkreis Lörrach-Müllheim in einem gesamtdeutschen Parlament und war zugleich Abgeordneter ... <a title="Marcus Pflüger &#8211; Vom Freischärler zum Parlamentarier: Buchvorstellung am 16. Juni 2023 im Markgräfler Museum Müllheim, 18.00 Uhr" class="read-more" href="https://buch-und-museum.de/aktuelles/marcus-pflueger-vom-freischaerler-zum-parlamentarier-buchvorstellung-am-16-juni-2023-im-markgraefler-museum-muellheim-18-uhr/" aria-label="Mehr Informationen über Marcus Pflüger &#8211; Vom Freischärler zum Parlamentarier: Buchvorstellung am 16. Juni 2023 im Markgräfler Museum Müllheim, 18.00 Uhr">Weiterlesen</a>]]></description>
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<figure id="attachment_660" aria-describedby="caption-attachment-660" style="width: 475px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-660" src="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895-300x140.jpg" alt="Das Gasthaus zum Hirschen in Lörrach, Postkarte, um 1895" width="485" height="226" srcset="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895-300x140.jpg 300w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895-1024x477.jpg 1024w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895-150x70.jpg 150w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895-768x358.jpg 768w, https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/1Hirschen-um-1895.jpg 1068w" sizes="(max-width: 485px) 100vw, 485px" /><figcaption id="caption-attachment-660" class="wp-caption-text">Das Gasthaus zum Hirschen in der Turmstraße 1, um 1895, DLM Lörrach</figcaption></figure>
<p>&#8222;Hier wird, gegenüber dem Landtage in Carlsruhe, mit Dampf gearbeitet&#8220;, schrieb 1881 aus Berlin der Reichstagsabgeordnete Marcus Pflüger seiner Ehefrau Johanna. Der linksliberale Gastwirt vertrat als erster Lörracher den Wahlkreis Lörrach-Müllheim in einem gesamtdeutschen Parlament und war zugleich Abgeordneter im badischen Landtag. Pflüger steht exemplarisch für den Aufstieg und das soziale Engagement des liberalen Bürgertums, das sich trotz gescheiterter 1848er-Revolution unbeirrt für die Demokratisierung Deutschlands einsetzte.<br />
Anlässlich des 50-jährigen Revolutionsjubiläums organisierte er 1898 ein großes Fest und eine Ausstellung in seinem renommierten Gasthaus zum Hirschen. Dort war auch das Revolutionsgemälde &#8222;Einzug der Freischaren unter Weißhaar in Lörrach&#8220; von Friedrich Kaiser zu sehen, das Marcus Pflüger nach dem Tod des Malers von den Erben erworben hatte. Im Buch wird es detailliert beschrieben und erstmals entschlüsselt. Auf dem Bild ist auch Pflüger als Gemeinderat und Wahlmann dargestellt.</p>
<p>Buchvorstellung und Bildvortrag “Marcus Pflüger &#8211; Vom Freischärler zum Parlamentarier”<br />
Markgräfler Museum Müllheim Weitere Infos: <a href="https://buch-und-museum.de/wp-content/uploads/Museum-Ausstellung-1848-Folder-Web-Version-P050.pdf">Museum, Ausstellung 1848, Folder Web-Version P050</a><br />
Freitag, 16.06.2023, 18.00 Uhr<br />
Dr. Carola Hoécker, Historikerin<br />
Die Teilnahmegebühr beträgt 5,00 €, reduziert für Museumsvereinsmitglieder und Inhaber des Museumspasses 2,50 €</p>
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